Zum Inhalt springen
Klugora
Ratgeber

Markieren, Zusammenfassen, Abfragen: Welche Lernmethode wirkt?

Die Lernforschung hat zehn beliebte Methoden verglichen. Zwei schneiden klar am besten ab, und ausgerechnet die beliebtesten bringen wenig.

Für dich6 Minuten Lesezeit7. Oktober 2026

Ein Mädchen denkt am Schreibtisch nach, um sie herum Zettel: Ideen sammeln, Struktur finden, Wissen verstehen, Ziele setzen.

Textmarker, Zusammenfassungen, alles noch einmal durchlesen: Das sind die beliebtesten Lernmethoden. Ein Team um den Psychologen John Dunlosky hat zehn solcher Methoden anhand der vorhandenen Studien bewertet. Das Ergebnis ist für viele eine Überraschung.

Hoher Nutzen
  • Sich selbst abfragen
  • Verteilt lernen
Mittlerer Nutzen
  • Nach dem Warum fragen
  • Sich selbst erklären
  • Aufgaben mischen
Geringer Nutzen
  • Zusammenfassen
  • Markieren
  • Eselsbrücken mit Schlüsselwörtern
  • Bilder vorstellen beim Lesen
  • Wiederlesen
Zehn Lerntechniken, bewertet nach der Studienlage. Dunlosky u. a. (2013).

„Geringer Nutzen“ heißt nicht, dass Markieren schadet. Es heißt: In der Breite der Studien ist der Nutzen schwach oder unsicher belegt.

Sich selbst abfragen

Alles, wobei du Wissen aus dem Kopf holen musst, zählt dazu: Karteikarten, Übungsaufgaben ohne Lösung oder das Heft zuklappen und aufschreiben, was du weißt.

56 % statt 42 %

Studierende, die einen Text einmal aus dem Gedächtnis wiedergegeben hatten, wussten eine Woche später noch 56 % des Inhalts. Wer ihn stattdessen noch einmal gelesen hatte, wusste nur 42 %.Roediger & Karpicke (2006)

Verteilt lernen

Bei gleichem Stoff und gleicher Lernzeit wirken mehrere kurze, über Tage verteilte Einheiten besser als eine lange Einheit am Stück. Je länger du etwas behalten willst, desto größer dürfen die Abstände sein.

Schema, keine Messwerte. Gelbe Striche: Wiederholungen. Nach jeder sinkt die Kurve langsamer, also dürfen die Abstände wachsen.

Probier’s so

Lerne statt drei Stunden am Sonntag lieber an sechs Tagen je eine halbe Stunde, und beginne jedes Mal mit dem Abfragen, nicht mit dem Lesen.

Warum sich Wiederlesen trotzdem gut anfühlt

Beim zweiten und dritten Lesen kommt dir alles bekannt vor. Das fühlt sich an wie Können. In der Studie von Roediger und Karpicke hielten sich die Wiederleser für besser vorbereitet und schnitten trotzdem schlechter ab.

Die Forschung nennt das den Unterschied zwischen Leistung und Lernen: Was beim Üben leichtfällt, sagt wenig darüber, was du später behältst. Abfragen fühlt sich anstrengender an, weil du merkst, was fehlt. Genau deshalb wirkt es.

Gemischt statt in Blöcken üben

Zwanzig gleiche Aufgaben hintereinander fühlen sich flüssig an. Gemischte Aufgaben sind mühsamer, weil du jedes Mal erst erkennen musst, welche Methode passt. In einem Experiment mit 54 Mathematikklassen erreichten Siebtklässler mit gemischten Übungen einen Monat später im Test 61 % statt 38 % der Punkte.

Rückmeldung, die weiterhilft

Am meisten hilft eine Rückmeldung, die sagt, was an der Aufgabe stimmt, was nicht stimmt und wie es besser geht. Lob für die Person („Du bist so klug!“) hat dagegen kaum Informationswert. Wer mit anderen lernt, kann sich daran halten und genau benennen, an welcher Stelle der Fehler liegt.

Quellen (5)
  1. Dunlosky, J. u. a. (2013): Improving Students’ Learning With Effective Learning Techniques. Psychological Science in the Public Interest 14(1), 4–58. öffnen
  2. Roediger, H. L. & Karpicke, J. D. (2006): Test-Enhanced Learning. Psychological Science 17(3), 249–255. öffnen
  3. Soderstrom, N. C. & Bjork, R. A. (2015): Learning Versus Performance. Perspectives on Psychological Science 10(2), 176–199. öffnen
  4. Rohrer, D. u. a. (2020): A Randomized Controlled Trial of Interleaved Mathematics Practice. Journal of Educational Psychology 112(1), 40–52. öffnen
  5. Hattie, J. & Timperley, H. (2007): The Power of Feedback. Review of Educational Research 77(1), 81–112. öffnen