Zum Inhalt springen
Klugora
Ratgeber

So lernst du für eine Schulaufgabe

Du musst nicht länger lernen, sondern anders: dich selbst abfragen, das Lernen auf mehrere Tage verteilen und einmal eine Probe schreiben. Dazu gibt es einen Plan für die zwei Wochen vor der Schulaufgabe.

Für dich6 Minuten Lesezeit7. Oktober 2026

Eine korrigierte Probe-Schulaufgabe mit Haken und einer eingekreisten 2, daneben Wecker, Bleistift und Kalender.

Die meisten lernen für eine Schulaufgabe ungefähr so: den Hefteintrag durchlesen, das Wichtige markieren, am Abend davor alles noch einmal lesen. Das fühlt sich gründlich an. Die Lernforschung hat genau diese Methoden mit anderen verglichen und festgestellt, dass Markieren, Wiederlesen und Zusammenfassen vergleichsweise wenig bringen. Am wirksamsten sind zwei andere Methoden: sich selbst abfragen und über mehrere Tage verteilt lernen.

Die gute Nachricht ist: Du musst dafür nicht länger lernen, sondern anders.

1. Frag dich selbst ab, statt noch einmal zu lesen

In einem bekannten Versuch lasen Studierende einen Sachtext. Danach las die eine Hälfte ihn noch einmal, die andere schrieb aus dem Kopf auf, was sie noch wusste. Fünf Minuten später schnitten die Wiederleser besser ab, zwei Tage und eine Woche später dagegen die andere Gruppe.

einmal aus dem Kopf aufgeschriebennoch einmal gelesen

Tückisch daran ist: Die Wiederleser hielten sich für besser vorbereitet. Wenn du einen Text zum dritten Mal liest, kommt dir alles bekannt vor. Das heißt aber nicht, dass du es in der Schulaufgabe abrufen kannst. Was beim Üben leichtfällt, sagt wenig darüber, was du später behältst.

Probier’s so

Klapp das Heft zu und schreib auf, was du zu einem Thema weißt. Dann klapp es auf und vergleich. Was gefehlt hat, ist genau das, was du noch lernen musst. In Mathematik bedeutet Abfragen, Aufgaben zu rechnen, ohne vorher in die Lösung zu schauen.

2. Verteile das Lernen auf mehrere Tage

Wer etwas länger behalten will, braucht Wiederholungen mit Abstand. In einer großen Studie mit über 1.350 Teilnehmenden zeigte sich: Je länger man sich etwas merken will, desto größer sollten die Abstände zwischen den Wiederholungen sein.

Für eine Schulaufgabe in zwei Wochen heißt das: lieber jeden Tag kurz als einmal lang. Jedes Thema solltest du mehrmals wiederholen, mit ein paar Tagen Abstand dazwischen. Dass du beim zweiten Mal schon wieder etwas vergessen hast, ist kein schlechtes Zeichen. Genau dieses Wieder-Hervorholen ist der Teil, der wirkt.

3. Misch die Aufgabentypen

Im Mathematikbuch stehen meist zwanzig Aufgaben derselben Sorte hintereinander. Nach der dritten rechnest du sie im Schlaf. In der Schulaufgabe sind die Aufgaben dagegen gemischt, und du musst erst erkennen, welche Methode passt.

61 % statt 38 %

Siebtklässler, deren Mathematikübungen verschiedene Aufgabentypen mischten, erreichten in einem unangekündigten Test einen Monat später 61 % der Punkte, die Vergleichsgruppe nur 38 %.Rohrer u. a. (2020), 54 Klassen, zufällig eingeteilt

Probier’s so

Nimm aus jedem Kapitel zwei, drei Aufgaben und rechne sie durcheinander, ohne auf die Überschrift zu schauen.

4. Schreib einmal zur Probe

Eine Probe ist Abfragen in der ernstesten Form: mit Zeitvorgabe, ohne Heft und mit Aufgaben, die du vorher nicht gesehen hast. Sie zeigt dir, was du wirklich kannst, und nicht, was dir nur bekannt vorkommt. Schreib sie zwei, drei Tage vorher. Dann bleibt noch Zeit, die Lücken zu schließen.

Ein Plan für die zwei Wochen davor

  1. Zwei Wochen vorher

    Kläre, welcher Stoff in der Schulaufgabe abgefragt wird. Frag nach, wenn du unsicher bist, und sammle Hefteinträge, Arbeitsblätter und Aufgaben an einem Ort.

    Schritt 1
  2. Zehn bis vier Tage vorher

    Lerne jeden Tag in ein, zwei kurzen Einheiten. Wiederhole jedes Thema mehrmals, mit Abständen dazwischen. Frag dich immer zuerst ab und sieh erst dann im Heft nach.

    Schritt 2
  3. Drei bis zwei Tage vorher

    Schreib eine Probe unter echten Bedingungen: mit Zeitvorgabe und ohne Heft. Danach weißt du, wo deine Lücken sind, und hast noch Zeit, sie zu schließen.

    Schritt 3
  4. Am Tag davor

    Festige nur noch, was du schon sicher kannst. Fang kein neues, schweres Thema mehr an.

    Schritt 4
Quellen (5)
  1. Dunlosky, J. u. a. (2013): Improving Students’ Learning With Effective Learning Techniques. Psychological Science in the Public Interest 14(1), 4–58. öffnen
  2. Roediger, H. L. & Karpicke, J. D. (2006): Test-Enhanced Learning. Psychological Science 17(3), 249–255. öffnen
  3. Cepeda, N. J. u. a. (2008): Spacing Effects in Learning. Psychological Science 19(11), 1095–1102. öffnen
  4. Rohrer, D. u. a. (2020): A Randomized Controlled Trial of Interleaved Mathematics Practice. Journal of Educational Psychology 112(1), 40–52. öffnen
  5. Soderstrom, N. C. & Bjork, R. A. (2015): Learning Versus Performance. Perspectives on Psychological Science 10(2), 176–199. öffnen