Neun von zehn Jugendlichen zwischen 12 und 19 nutzen KI, und drei von vier davon auch für Hausaufgaben oder zum Lernen. Das hat die JIM-Studie 2025 ergeben. In der PISA-Studie 2025 gaben in Deutschland nur 9 % der 15-Jährigen an, KI für keinen der abgefragten Schulzwecke zu nutzen.
Ob Ihr Kind KI nutzt, ist also kaum noch die Frage. Wichtiger ist, wie. Denn „für Hausaufgaben“ kann zweierlei heißen: sich etwas erklären lassen oder die Aufgabe erledigen lassen.
Was Studien zeigen
Das bisher klarste Experiment fand an einer großen weiterführenden Schule in der Türkei statt. Knapp 1.000 Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 bis 11 übten Mathematik in drei Gruppen: ohne KI, mit einem gewöhnlichen Chatbot und mit einer Tutor-Version, die nur Hinweise gab. Beim Üben waren beide KI-Gruppen deutlich besser. In der Prüfung ohne KI schnitt die Gruppe mit dem gewöhnlichen Chatbot dagegen schlechter ab als die Gruppe ohne KI.
Mit Chatbot geübt
−17 %
Mit Tutor geübt, der nur Hinweise gibt
±0 %
Die Tutor-Version hat den Schaden also verhindert. Besser als die Gruppe ohne KI waren ihre Nutzer in der Prüfung allerdings auch nicht.
Eine Langzeit-Auswertung mit rund 27.000 Schülern in China kommt zu einem ähnlichen Bild. Mit KI stiegen die Hausaufgabennoten, die Ergebnisse in Klassenarbeiten fielen. Betroffen waren vor allem Schüler, die ihre Hausaufgaben an die KI auslagerten. Wer weiter selbst gearbeitet hat, verlor kaum. Die Studie ist ein Arbeitspapier und noch nicht begutachtet.
29 bis 32 Punkte
Die OECD fasst die Studienlage so zusammen: Ein gewöhnlicher Chatbot hilft, Aufgaben schneller zu erledigen, aber nicht unbedingt, den Stoff zu lernen. Bildungswerkzeuge mit klarer pädagogischer Absicht führen eher zu dauerhaften Lernfortschritten.
Woran Sie den Unterschied erkennen
Sie müssen nicht mitlesen, was Ihr Kind in einen Chat tippt. Drei Fragen verraten mehr:
- Kann es eine ähnliche Aufgabe ohne Hilfe lösen? Nehmen Sie eine Aufgabe aus dem Buch, die nicht aufgegeben war.
- Kann es erklären, wie es vorgegangen ist? Lassen Sie es den Lösungsweg in ein, zwei Sätzen mit eigenen Worten erklären.
- Ist die Hausaufgabe auffällig schnell fertig? In der Studie aus China fielen gerade die Schüler zurück, die sehr kurz an ihren Hausaufgaben saßen und trotzdem gute Noten darauf bekamen.
Was Sie tun können
- Erst selbst, dann fragen. Eine einfache Regel für zu Hause: Zuerst wird die Aufgabe selbst versucht. Die KI kommt erst hinzu, wenn Ihr Kind wirklich nicht weiterkommt.
- Hinweise statt Lösungen. Ermutigen Sie Ihr Kind, nach dem nächsten Schritt zu fragen, nicht nach dem Ergebnis. Genau darin lag in der Studie aus der Türkei der Unterschied.
- Prüfen gehört dazu. Bei PISA schnitten unter den häufigen Nutzern die besser ab, die im Unterricht gelernt hatten, KI-Antworten zu prüfen. Fragen Sie ruhig nach: „Woher weißt du, dass das stimmt?“
- Reden statt verbieten. Ein Verbot lässt sich kaum überprüfen. Ein Gespräch darüber, wofür KI hilft und wofür nicht, wirkt eher nach.
